Für wen kann eine Pneumokokken-Infektion gefährlich werden?

Die Gefahr, sich mit Pneumokokken zu infizieren, ist besonders hoch, wenn das Immunsystem bereits geschwächt ist. Der größte Risikofaktor für eine Pneumokokken- Infektion ist das Alter, da der Körper weniger Abwehrzellen und Antikörper herstellt und ohnehin durch andere Erkrankungen beeinträchtigt ist.

Ein erhöhtes Erkrankungsrisiko besteht auch bei chronisch Kranken, besonders bei Herzpatienten, Asthmatikern, Diabetikern sowie Menschen mit Raucherlunge oder der Lungenkrankheit COPD. Während das Immunsystem älterer Menschen nicht mehr stark genug ist, um eine Pneumokokken-Infektion abzuwehren, ist die Immunabwehr kleiner Kinder noch nicht stark genug. Deshalb zählen Säuglinge und Kinder ebenfalls zu den Risikogruppen. Junge und gesunde Menschen erkranken nur selten an einer Lungenentzündung, selbst wenn sie den Erreger eingeatmet haben.

Welche Folgen kann das für die Betroffenen haben?

1,6 Millionen Menschen sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich weltweit an einer Pneumokokken-Infektion. Das entspricht ungefähr der Größe einer Stadt wie Hamburg.

Bei jungen und gesunden Menschen heilt eine Lungenentzündung in der Regel ohne Folgen aus (s. Frage 6). Ist das Immunsystem aus oben genannten Gründen bereits geschwächt oder noch nicht ausgereift, kann eine Lungenentzündung einen längeren Verlauf nehmen und zu schweren und sogar lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Das betrifft die Lunge selbst, aber auch andere Organe. Viele Patienten kämpfen noch monatelang mit den körperlichen Folgen einer Lungenentzündung, fühlen sich schlapp und erschöpft. Dringen die Pneumokokken tiefer vor und breiten sich über die Blutbahn aus, können sie eine Blutvergiftung (Sepsis) oder Hirnhautentzündung (Meningitis) auslösen. Bei Patienten mit chronischen Erkrankungen kann auch die Lungenentzündung chronisch werden.

Wie wird eine durch Pneumokokken verursachte Lungenentzündung behandelt?

Da der Krankheitserreger bei Therapiebeginn meist nicht bekannt ist, wählt Ihr Arzt ein Antibiotikum aus, das gegen die wahrscheinlichsten Erreger einer Lungenentzündung wirkt. Sobald der Erreger nachgewiesen ist, stellt Ihr Arzt die Behandlung auf ein gezielter wirkendes Medikament um; im Fall einer durch Pneumokokken verursachten Lungenentzündung erfolgt die Therapie in der Regel mit Penicillinen oder verwandten Antibiotika.

VERLAUF: Eine Lungenentzündung kann sehr unterschiedlich verlaufen. Das hängt vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab. Bei einem starken Immunsystem ist eine Lungenentzündung in der Regel nach sechs Wochen ausgeheilt.

Ein anderes Medikament kann auch dann erforderlich werden, wenn der Erreger gegen das ursprüngliche Antibiotikum resistent ist. Durch den weit verbreiteten und häufig ungezielten Einsatz von Antibiotika nehmen Resistenzen zu. Das ist vor allem dann problematisch, wenn man sich im Krankenhaus ansteckt – zum einen, weil der Patient durch den eigentlichen Grund seines Krankenhausaufenthalts bereits geschwächt ist, und zum anderen, weil gerade Krankenhauskeime häufig Resistenzen aufweisen. Der Schutz durch Impfung wird daher immer wichtiger (s. Pneumokokken-Impfung).

Was muss ich beachten, um schneller wieder gesund zu werden?

  • Nehmen Sie die Antibiotika so lange ein, wie es Ihr Arzt verordnet hat, und setzen Sie sie nicht auf eigene Faust ab. Nur so können Sie einen Rückfall vermeiden und die Entwicklung von Resistenzen verhindern.
  • Eine Lungenentzündung ist keine Bagatellerkrankung – achten Sie auf die Signale Ihres Körpers.
  • Gönnen Sie sich Schonung und Ruhe.
  • Trinken Sie viel – so gleichen Sie bei höherem Fieber den Flüssigkeitsverlust aus und unterstützen die Wirkung von Schleimlösern, die das Abhusten erleichtern.
  • Sind Sie Raucherin oder Raucher? Dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um sich das Laster abzugewöhnen, denn während einer Lungenentzündung sollten Zigaretten ohnehin tabu sein.

Welche weiteren Erkrankungen können Pneumokokken auslösen?

Pneumokokken können abgesehen von einer Lungenentzündung auch andere schwere Infektionen auslösen.

Hirnhautentzündung

Gemeinsam mit Meningokokken sind Pneumokokken die häufigsten Erreger einer eitrigen Hirnhautentzündung. Zu Beginn ist die Krankheit nur schwer von einer gewöhnlichen Infektion zu unterscheiden. Innerhalb kürzester Zeit kann sich jedoch ein lebensbedrohlicher Krankheitszustand entwickeln.

Zu den typischen Symptomen zählen hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Erbrechen, Benommenheit, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit. Bei Säuglingen und Kleinkindern sollten Sie außerdem auf Anzeichen wie Teilnahmslosigkeit oder auffallende Unruhe achten. Ältere Menschen können Symptome eines Schlaganfalls aufweisen. Suchen Sie in diesen Fällen sofort einen Arzt auf oder fahren Sie ins Krankenhaus.

Mittelohrentzündung

Auch eine Mittelohrentzündung wird häufig durch Pneumokokken ausgelöst. Sie entwickelt sich meist nach einem grippalen Effekt und tritt vor allem bei Kleinkindern auf. Eine Mittelohrentzündung ist sehr schmerzhaft, die betroffenen Kinder weinen viel und greifen sich ans Ohr. Die Erkrankung geht mit Fieber, Klopfen im Ohr, allgemeinem Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen und vermindertem Hörvermögen einher. Bei Kindern bis zum zweiten Lebensjahr werden häufig Antibiotika eingesetzt.

Herzmuskelentzündung

Dringen die Pneumokokken bei einem geschwächten Immunsystem bis zum Herzen vor, kann das eine Herzmuskelentzündung zur Folge haben. Diese zeigt sich meist durch Beschwerden wie Erschöpfung, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Fieber, Herzrhythmusstörungen und Engegefühl in der Brust. Auch hier ist rasche Hilfe und Schonung erforderlich, um einer ernsthaften Herzerkrankung vorzubeugen.

Blutvergiftung

Eine lebensbedrohliche Komplikation ist die Blutvergiftung, bei der der gesamte Blutkreislauf mit Bakterien überschwemmt wird. Die Symptome einer Sepsis, so der medizinische Fachbegriff, sind oft schwer einzuordnen, da sie auch auf andere Krankheiten hinweisen können. Dies sind Fieberschübe, ein starkes Krankheitsgefühl, beschleunigter Puls, beschleunigte Atmung und niedriger Blutdruck. Ohne sofortige Behandlung kann es bei einer Blutvergiftung zu einem lebensbedrohlichen septischen Schock kommen. Dabei wird die Blutversorgung gestört und das Gewebe kann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.

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